Nov 23 2010

Rezension Reckless von Cornelia Funke

Cornelia Funkes Bücher Tintenherz, Tintenblut und Tintentod las ich damals mit Begeisterung. Die fantasievollen und detailreichen Beschreibungen fingen mich ein und am liebsten wollte ich in das Buch eintauchen, so wie es in der Geschichte möglich war.

Als ich nun von der Veröffentlichung eines neuen Romans von Cornelia Funke las, in dem sie die Märchen von den Gebrüdern Grimm eingebaut hatte, war ich gespannt und fast hungrig auf eine neue Geschichte.

Bereits bei dem ersten Satz erkennt man unweigerlich den Stil Cornelias Funke wieder. Manche Kritiken äußerten sich hierüber bereits negativ. Ich finde den Stil ungewöhnlich aber schön, weil er bei mir solch lebendige Bilder beim Lesen hervorruft, wie ich sie bei anderen Romanen nicht habe.

Gewundert hatte ich mich beim Kauf schon darüber, dass das Buch diesmal anscheinend nicht so umfangreich ist wie ihre vorherigen es waren. Beim Lesen wurde mir schnell bewusst, warum. Die Kapitel sind kurz, die Brüche von einem zum nächsten Kapitel manchmal sehr stark, insbesondere in den ersten Kapiteln. So fängt es an mit „Es war einmal“, darauf folgend „Zwölf Jahre später“ und anschließend das Kapitel „Goyl“. Als Leser werde ich im Ungewissen gelassen, was genau geschehen ist. Erst nach und nach bekomme ich als Leser Hinweise, so dass ich aus den Puzzlestücken ein Ganzes machen kann. Wie ein mühsames Puzzle muss ich mir als Leser selbst die Zusammenhänge zurechtlegen. Wäre es ein Kriminalroman, der ein solches Muster als Strategie der Geschichte hat, wäre ich nicht enttäuscht. Bei Reckless aber passt es nicht.

Ich fühle mich als Leser so eher allein gelassen und muss im Dunkeln tappen. Meiner Meinung nach wichtige Informationen erfolgen im Buch an zu später Stelle. Die liebevollen und ansonsten bekannten detailreichen Ausschmückungen von Cornelia Funke fehlen mir bei Reckless. Denn schließlich ist es ein Roman rund um die Märchenwelt, und hier kann ein Leser nur eintauchen, wenn Charaktere, Fabelwesen und Gegenstände aus der Märchenwelt detailreich erzählt werden.

Die Idee, die Märchen der Gebrüder Grimm einzubeziehen, ist wunderschön. Manchmal ist jedoch eine Vermischung mit anderen Märchen und Geschichten vorhanden. Bei der Szene mit dem „Schneider“ war meine erste Assoziation Edward mit den Scherenhänden. Bei anderen Beschreibungen hingegen erinnerte ich mich an den Film Herr der Ringe. Diese Vermischung mag der Leser oder nicht. Es ist wohl Geschmacksache.

Fazit: Die Geschichte um die beiden Brüder Jakob und Will ist traurig, berührte mich und fing mich ein. Sie ist einfach schön. Doch zeichnet sich Reckless leider durch viele Szenenwechsel aus, die ich beim Lesen als radikale Brüche empfinde. An vielen Stellen fehlten mir zudem die ausführlichen Schilderungen von Cornelia Funke. Und dennoch: Es lohnt sich, das Buch zu lesen.

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